Operative Behandlung der Blasenhalssklerose
Was ist eine Blasenhalssklerose (Blasenhalsverengung)?
Eine Blasenhalssklerose (Bladder Neck Contracture, BNC) ist eine narbige Verengung am Übergang zwischen Harnblase und Harnröhre. Sie kann insbesondere nach Operationen an der Prostata auftreten, zum Beispiel nach:
- transurethraler Resektion der Prostata (TUR-P)
- Laseroperationen der Prostata
- radikaler Prostatektomie
Durch die Narbenbildung wird der Blasenhals eingeengt. Dadurch kann der Urinfluss behindert sein und Beschwerden wie ein schwacher Harnstrahl, verlängertes Wasserlassen oder Restharn entstehen.
Je nach Ausprägung der Verengung stehen mehrere operative Verfahren zur Verfügung.
Welche Therapie der Blasenhalssklerose ist die richtige für mich?
Die Wahl der optimalen Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Ursache der Blasenhalssklerose
- Ausmaß der Narbenbildung
- Anzahl früherer Eingriffe
- Begleiterkrankungen
Die Therapie wird daher immer individuell geplant. Dabei steht ein breites Spektrum moderner minimalinvasiver und rekonstruktiver Verfahren zur Verfügung:
1. Endoskopischer Einschnitt der Narbe
Die häufigste Behandlung der Blasenhalssklerose ist eine endoskopische Inzision des Blasenhalses. Dabei wird die narbige Engstelle mit einem elektrischen Messer oder
einem Laser (z. B. Holmium- oder Thulium-Laser) eingeschnitten.
Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über die Harnröhre und benötigt keinen äußeren Schnitt.
Die Erfolgsrate einer einfachen Inzision liegt laut aktueller Literatur (1) bei etwa 45 bis 60 Prozent.
2. Vollständige Entfernung der Narbenplatte mit Laser
Bei ausgeprägten oder wiederkehrenden Blasenhalssklerosen kann eine komplette Entfernung des Narbengewebes notwendig sein.
Hierbei wird die gesamte fibrotische Narbe mit einem Laser ausgeschnitten. Ziel ist es, möglichst das gesamte krankhafte Gewebe zu entfernen und dadurch das Risiko eines erneuten Narbenwachstums zu reduzieren.
Vorteile dieser Methode sind:
- präzise Entfernung des Narbengewebes
- gute Kontrolle der Blutung
- minimalinvasiver Zugang über die Harnröhre
Dieses Verfahren wird insbesondere bei wiederkehrenden Blasenhalssklerosen eingesetzt.
3. Medikamentenbeschichtete Ballondilatation (Optilume®)
Ein neuer minimalinvasiver Ansatz ist die medikamentenbeschichtete Ballondilatation mit dem Optilume®-Ballon, wie wir ihn bereits bei Harnröhrenstrikturen einsetzen. Dabei wird die Engstelle zunächst mechanisch erweitert. Gleichzeitig wird der Wirkstoff Paclitaxel freigesetzt, der die erneute Narbenbildung hemmen soll.
Diese Therapie kombiniert somit zwei Effekte gleichzeitig: die mechanische Erweiterung der Engstelle und die medikamentöse Hemmung der Narbenbildung.
Unsere Arbeitsgruppe hat dieses Verfahren bei Patienten mit Blasenhalsstenose und vesikourethraler Anastomosenstenose untersucht. In einer klinischen Studie zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome sowie der Lebensqualität ohne Verschlechterung der Kontinenz. (2 Eigene Publikation)
Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung mit dem Optilume-Ballon eine vielversprechende minimalinvasive Option bei wiederkehrenden Verengungen darstellen kann. Der Einsatz erfolgt im Rahmen einer Registerstudie.
Weitere Daten zur Optilume-Technologie stammen unter anderem aus dem ROBUST-Trial sowie Übersichtsarbeiten (3).
4. Rekonstruktive Operation (Y-V-Plastik)
Bei komplexen oder mehrfach wiederkehrenden Blasenhalssklerosen kann eine rekonstruktive Operation des Blasenhalses notwendig sein. Ein etabliertes Verfahren ist die Y-V-Plastik.
Dabei wird der Blasenhals chirurgisch eröffnet und durch eine plastische Rekonstruktion erweitert. Ziel ist eine dauerhafte Wiederherstellung eines ausreichend weiten Blasenhalses.Der Eingriff wird meist in spezialisierten Zentren durchgeführt und kann heute häufig robotisch assistiert erfolgen.
In Studien wurden Erfolgsraten von 75 bis 100 Prozent beschrieben (4).
Literatur
(1) Mac Curtain et al.
Treatment of bladder neck contracture. Int Urol Nephrol. 2025.
(2) Tosev G, Damgov I, Kuehhas F, Borgmann H, Struck J, Salem J, Kuru TH.
Off-label use of the Optilume drug-coated balloon in bladder neck stenosis and vesicourethral anastomotic stenosis. European Urology Open Science. 2025.
(3) Ballesteros Ruiz R et al.
Drug-coated balloon therapy for urethral strictures. Review, 2025.
(4) Rinderknecht M et al.
Robotic Y-V plasty for bladder neck contracture. BJUI Compass. 2025.
Rozanski AT et al.
Adjunctive mitomycin-C for bladder neck contracture. Clinical Medicine. 2022.
Zhang L et al.
Steroid injection for bladder neck contracture. Frontiers in Surgery. 2026.
Bahouth Z et al.
Temporary urethral stenting for bladder neck contracture. Prostate International. 2021.

